News > Interview. Bodenseekonferenz - ein Thinktank für die Politik

am 25.7.2022
Zitat Kronen Zeitung Vorarlberg vom 25.07.2022:

"Dr. Christian Bernhard, Vorsitzender der Kommission Gesundheit und Soziales, spricht im großen »Krone«-Interview über seine Arbeit bei der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK). [...] Krone: Sie waren unlängst auf einer Pflegefachtagung der deutschen Stiftung Liebenau. Können Sie erklären wie da die Thinktank-Arbeit aussieht?

Bernhard: In der Politik ist sehr vieles Tagesgeschäft. Ich war ja sieben Jahre Mitglied der Landesregierung und weiß, dass man abhängig ist von aktuellen Ereignissen, vom politischen Mitbewerber, von den Erwartungen der Wählerschaft, deren Votum man sich immer wieder stellen muss. Der große Vorteil der Institution IBK ist, dass wir uns völlig abgekoppelt von den genannten Einflüssen mit einem Thema beschäftigen können. Im Fall der Tagung ging es um die Frage, wie die Pflege im Jahr 2035 aussehen soll.
Krone: Das Hauptproblem dürfte die Suche nach Pflegekräften sein?

Bernhard: Das ist in der Tat eine Herausforderung. Aber es gibt auch Themen, die über Rekrutierung und Manpower hinaus zu verbessern sind. Überlegungen sind etwa, wie neue Technologien die Pflege verändern, ob und wie im digitalen Zeitalter Neues genutzt werden kann. Oder wie neue Wohn- und Betreuungsformen aussehen können. Dazu wurden einige Referenten gehört.

Krone: Wie sieht denn die Zukunft der Pflege aus?

Bernhard: Einer der Referenten, ein Zukunftsforscher, hat errechnet, dass jedes vierte heute geborene Mädchen und jeder fünfte Bub eine Lebenserwartung von mindestens 100 Jahren hat - und dadurch Krebserkrankungen oder Demenz größere Chancen erhalten. Riesenpotenzial sieht er bei der Künstlichen Intelligenz und Robotik, plädiert aber für einen maßvollen Einsatz.

Krone: Würden Sie Ihren Vater von einem Roboter pflegen lassen?

Bernhard: Absolut, aber bei ihm wüsste ich auch, dass er trotz seiner 93 Jahre für Vieles offen ist. Meinen Vater kann man vermutlich aber nicht als Grundlage nehmen.

Krone: Wie schätzen Sie die Idee aus ethischer Sicht ein?

Bernhard: Grundsätzlich ist ein Pflegeroboter ja keine Erfindung, die einfach losmarschiert und Pflegetätigkeiten übernimmt. Vielmehr gibt es Situationen, oft auch aus der Personalnot heraus, in denen ein Roboter Zeitvertreib sein kann. Niemand findet etwas dabei, wenn man einem alten Menschen eine Puppe, die oft beruhigend wirkt, in die Hand gibt. Deswegen sollte man sich solchen innovativen Ideen nicht verschließen.

Krone: Wie würde die optimale Einführung eines Pflegeroboters in der Bodenseeregion aussehen?

Bernhard: Zunächst müsste man die Programmierer mit den Pflegeforschern zusammenbringen, um optimal auf die Bedürfnisse der zu Pflegenden einzugehen. Rund um den Bodensee gibt es ja einige gute Fachhochschulen, die sich bereits mit solchen Themen beschäftigen. Da wäre es sinnvoll, wenn man auch deren Ethikkommissionen einbezieht und miteinander weiterdenkt. [...]"

https://www.krone.at/2768633
Quelle: Kronen Zeitung


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