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Dementia Care Mapping (DCM, engl.: Standortbestimmung der Pflege dementiell Erkrankter) ist ein in England von Tom Kitwood und Kathleen Bredin entwickeltes personenzentriertes Evaluations- und Beobachtungsverfahren, das zur Optimierung der Pflege von an Demenz erkrankten Menschen dient. Es ist insbesondere für die Abbildung der Lebensqualität und des innerpsychischen Wohlbefindens von Erkrankten geeignet, die keine adäquaten verbalen Rückmeldungen mehr geben können.

Entstehung


Der Sozialpsychologe Tom Kitwood entwickelte gemeinsam mit Kathleen Bredin und einer Gruppe von Statistikern, Psychologen, Soziologen und Pflegewissenschaftlern in den 1990ern an der University Bradford in England das DCM. Es wurde als Methode der qualitativen Sozialforschung konzipiert. Es dient der Entwicklung und Verbesserung der gerontopsychiatrischen Pflege und der Pflegekultur. Es wurde von Christian Müller-Hergl nach Deutschland transportiert. In der deutschsprachigen Schweiz ist es auch in einigen Einrichtungen der Langzeitpflege implementiert.

Einsatz und Verwendung


DCM kann eingesetzt werden um Veränderungen in der Lebenswelt des Dementen zu beurteilen, diese können beispielsweise die Einführung neuer Betreuungsangebote oder der Validation nach Feil sein. Die positiven und negativen Auswirkungen solcher Veränderungen werden durch das DCM ermittelt. Eine andere Verwendung ist die Schaffung einer Grundlage für die Beurteilung und Einschätzung veränderten Verhaltens des dementiell Erkrankten, beispielsweise wenn sich Rückzugstendenzen oder eine gesteigerte Aggressivität auftreten.

Verhaltenskategorien


Die Beobachtung erfolgt innerhalb 24 verschiedener Verhaltenskategorien. Diese umfassen unter anderen die Bereiche Essen und Trinken, Teilnahme an einem Spiel, Schlafen beziehungsweise Dösen, völlig in sich gekehrt sein, aufgeregt oder ärgerlich sein, Stress haben, den Versuch der Kontaktaufnahme ohne Antwort, Teilnahme an einer religiösen Aktivität, Teilnahme an einer gymnastischen Übung, Selbstpflege, Gepflegt werden, Beschäftigung mit Arbeit, Beschäftigung mit Medien, autonome Bewegung beispielsweise Gehen, sowie das Selbstgespräch oder Gespräche mit eingebildeten Personen.

Vorgehensweise


Die Beobachtungen werden von entsprechend geschulten Fachkräften, den Mappern erhoben, in dem sie den jeweiligen Gepflegten in seinen alltäglichen Verrichtungen begleiten und in ihre Rolle schlüpfen, beziehungsweise sich genauso verhalten, wie der Beobachtete oder die Gruppe der Beobachteten es tut. Der Mapper soll dabei nicht aktiv auf die Person zugehen, sondern sich passiv verhalten. Sie versuchen dabei anhand von Körpersprache, Gestik und Mimik die Gefühlslage des Beobachteten zu beurteilen und kleinste Veränderung beispielsweise in der Körperhaltung wahrzunehmen, die einen Hinweis auf das Empfinden geben. Die so ermittelten Daten werden in ein Beobachtungsschema eingetragen, dokumentiert und sollten anschließend in den individuell auf den Dementen abgestimmten Pflegeprozess einfließen.

Beachtungsgrundsätze


*Alle Handlungen des Erkrankten haben einen Sinn und Zweck
*Der Mapper hat dem Beobachteten gegenüber eine empathische Grundhaltung
*Die Subjektivität des Mappers wird durch Regeln und Training diszipliniert, um die Zuverlässigkeit der Aussagen zu gewährleisten
*Bei der Weitergabe der gesammelten Daten steht der Mapper dem Pflegeteam empathisch gegenüber, er hat grundlegende Kenntnisse der Gruppendynamik und ist in der Lage ein Gespräch zu moderieren.
*Der Mapper versteht den Wechsel der Rolle von der aktiven Rolle als Pflegekraft zur passiven des Beobachters als Herausforderung

Problemfelder


Das DCM ist wegen seiner Fremdwahrnehmung, die sich nicht auf verlässliche Angaben durch den Dementen stützen kann, sehr stark von der Sensibilität, der Empathie und der Reflexionsfähigkeit des Mappers abhängig und sollte ausschließlich durch fachweitergebildete und gerontopsychiatrisch erfahrene Pflegekräfte erfolgen.

Literatur


*Tom Kitwood: Demenz. Der person-zentrierte Ansatz im Umgang mit verwirrten Menschen, Huber, Bern; 2008 ISBN 3456845685
*Barbara Messer: Pflegeplanung für Menschen mit Demenz: Was sie schreiben können und wie sie es schreiben sollten, Schlütersche 2004, Seite 20-21, ISBN 3877067328
*Elisabeth Höwler: Gerontopsychiatrische Pflege: Lehr- und Arbeitsbuch für die Altenpflege, Schlütersche 2004, Seite 45-47, ISBN 3899934113

Weblinks


* [http://www.dcm-deutschland.de www.dcm-deutschland.de]
* [http://www.zfp.tertianum.ch/seminare/dcm http://www.zfp.tertianum.ch/seminare/dcm]
* [http://www.brad.ac.uk/health/dementia/DementiaCareMapping/ http://www.brad.ac.uk/health/dementia/DementiaCareMapping/]
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Dementia_Care_Mapping

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