Patientenverfügung hat wenig Nachfrage

Margula Wilhelm am 5.5.2015
Di 5 Mai Das Institut für Ethik und Recht in der Medizin an der Uni Wien hat festgestellt, dass gegenüber 2009, als nur etwas mehr als 50 % der Befragten von einer Patientenverfügung (PatV) wussten, heute zwar schon mehr als ¾ der Befragten von der Möglichkeit einer PatV gehört haben, die Verbreitung der PatV aber kaum zugenommen hat.

Aus meiner Sicht sind es nicht nur die Kosten (mancherorts ja ohnehin kostenlos) oder der „bürokratische“ Zugang zu einer PatV, weshalb aktuell erst 4,1 % der Bevölkerung eine PatV haben, obwohl es 2009 auch schon knapp 4 % waren. Bürger suchen eine Möglichkeit dem Leiden als Pflegefall zu entgehen – aber diesen Wunsch kann die PatV nicht erfüllen. Vgl. Patientenverfügung und Pflegefall-Tool.

Wie aber – wenn nicht mit einer Patientenverfügung – stellt man es an, nicht übergebührlich lange ein Pflegefall zu sein?

Die Lösung liegt darin, dass man schon frühzeitig lernt medizinische Angebote selbstverantwortlich zu beurteilen. Während viele denken: „ich kann mich doch nicht gegen den Rat eines Arztes entscheiden“ so weiß in Wahrheit niemand besser was für einen Patient gut ist, als der Patient selbst. Vielleicht haben auch Sie schon einmal gehört, dass „schlaue“ Patienten im Pflegeheim ihnen verordnete Medikamente nicht schlucken, sondern verschwinden lassen. Sie tun, was ihr gutes Recht ist. Denn: nicht der Arzt hat das Recht zu behandeln, sondern der Patient hat das Recht behandelt zu werden oder Behandlung abzulehnen. Jeder darf selbst bestimmen ob er medizinische Behandlung zulässt oder ablehnt. Niemand kann zu „gesunder“ Lebensweise gezwungen werden (z.B. Raucher, Alkoholiker, Übergewichtige), und niemand darf gegen seinen Willen behandelt werden (z.B. Entzugsbehandlung, Gewicht reduzieren). Der Patientenwille ist und bleibt die Grenze für jede ärztliche (Be)Handlung sowie oberstes Gebot.

Das Bewusstwerden und die zunehmende Bedeutung des Selbstbestimmungsrechts belegt eine jüngst veröffentlichte US-Studie, wonach nicht ganz ⅓ der befragten 50jährigen bereit waren Lebenszeit einzubüßen anstatt jeden Tag Therapeutika zu schlucken.

Bei medizinischer Behandlung schon frühzeitig seinen eigenen kritischen Willen auszubilden, diesen zu festigen und konsequent danach zu handeln, ist Gebot der Stunde, denn diese Kriterien bekommen infolge Zunahme medizinischer Möglichkeiten schon immer früher Bedeutung. Dass unkritischer Einsatz medizinischer Fortschritte auch Auswirkungen auf die Verlängerung der Leidensdauer von Pflegefällen hat, versteht sich von selbst.
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